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Oberbürgermeister Guido Till

 

Anlässlich der letzten von OB Till geleiteten Aufsichtsratssitzung hat unser langjähriges Aufsichtsratmitglied Herr Hermann Sonnenschein eine 16-jährige gemeinsame Zeit Revue passieren lassen.

Die von Herrn Sonnenschein gefundenen Worte wollen wir folgt wiedergeben:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

zum Abschluss der heutigen, Ihrer letzten Aufsichtsratssitzung bei der Wohnbau hat mich Herr Kurz in Abstimmung mit dem Aufsichtsgremium gebeten, Ihnen zu Ehren das Wort zu ergreifen. Gerne übernehme ich diese Aufgabe.

Beim Blick auf die rein statistischen Daten Ihres Aufsichtsratsvorsitzes bei der Wohnbau Göppingen fällt auf, dass wir beide eine gewisse zeitliche Gleichläufigkeit bei unserem Aufsichtsratsmandat bei der Wohnbau haben:

Am 24. Oktober 2004

wurden Sie zum OB der Stadt Göppingen gewählt. Ich selbst wurde am 13. Oktober 2004 für den Aufsichtsrat der Wohnbau bestellt. Wir sind also fast zeitgleich gestartet. Und auch bei mir ist das Ausscheiden nicht mehr allzu fern.

Im März 2005

haben Sie Ihre 1. AR-Sitzung geleitet, an die sich mehr als 60 weitere Aufsichtsratssitzungen angeschlossen haben.

Das ist aber alles nur reine Statistik, die überhaupt nichts darüber aussagt, was in den 16 Jahren Ihrer Ära bewegt wurde.

Sie zeichnen verantwortlich für wichtige, richtungsweisende strategische Anpassungen, für eine zielgerichtete Stadtentwicklung mit der sich Göppingen sehr positiv entwickelt hat und für viele besondere Projekte, die lange über Ihr aktives Wirken hinaus mit Ihnen persönlich und Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister in Verbindung stehen werden. 

Das ist aber alles nur reine Statistik, die überhaupt nichts darüber aussagt, was in den 16 Jahren Ihrer Ära bewegt wurde.

Sie zeichnen verantwortlich für wichtige, richtungsweisende strategische Anpassungen, für eine zielgerichtete Stadtentwicklung mit der sich Göppingen sehr positiv entwickelt hat und für viele besondere Projekte, die lange über Ihr aktives Wirken hinaus mit Ihnen persönlich und Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister in Verbindung stehen werden.

Ihr Handeln war immer darauf ausgerichtet der Gesellschaft langfristige Strukturen zu geben, die wiederum Grundlage dafür sind, dass die WGG Ihre Aufgaben zuverlässig im Interesse der Bürger dieser Stadt erfüllen kann. Im Zusammenspiel mit der Geschäftsführung haben Sie nicht nur auf abwechslungsreiche und vielfältige Bau- und Modernisierungsprogramme gesetzt. Sie haben die WGG behutsam, aber konsequent in das Thema der Entwicklung der Kernstadt einbezogen und die notwendigen Eingriffe in strukturelle Veränderungen von Stadtteilen und Quartieren initiiert.

Wichtig war Ihnen dabei stets eine ausgewogene und stabile Finanz- und Wirtschaftslage der WGG. Sie haben immer darauf geachtet, dass die WGG auch betriebswirtschaftlich stabil bleibt und finanziell nicht überfordert wird. Das ist Ihnen besonders 2006 nachhaltig mit dem Verkauf eines Wohnungspaketes an grainger gelungen. Diese Entscheidung war Grundlage dafür, dass die WGG für künftige Aufgaben finanziell solide gerüstet ist und dass man die WGG heute als das städtische Instrument im Wohnungs- und Stadtentwicklungsgeschehen bezeichnen kann.

Um Ihr langjähriges Wirken angemessen zu würdigen, lassen Sie mich einige besondere Vorhaben beispielhaft hervorheben, an deren Entstehung und Realisierung  Sie -  immer im hervorragenden Zusammenspiel  mit der Geschäftsführung - großen Anteil haben und die Sie maßgeblich vorangebracht haben. Bei der Zusammenstellung der nachfolgend genannten Projekte und Daten hat mich Herrn Kurz tatkräftig unterstützt. Danke dafür:

Studenten und Stadtentwicklung Bodenfeld

Studentenwohnen im Bodenfeld war 2005-2007 das Signal zum Aufbruch in den städtebaulichen Umbau und den demografischen Wandel des Stadtquartiers. Neben der Modernisierung eines Großteils der WGG-Wohnungsbestände und verschiedener kleinerer Eigentumsmaßnahmen - hat sich das Bodenfeld bis hin zu dem auf dem ehemaligen Bernergelände verwirklichten Projekt „Familienwohnen“ in der Nachbarschaft zum Freibad zu einem attraktiven und nachgefragten Wohnschwerpunkt entwickelt. 

Neue als auch modernisierte und preiswerte Wohngebäude, bis hin zu der Arrondierung mit EFH-Bauland für junge Familien, zeugen vom Wandel des ganzen Quartiers im Osten Göppingens.

Ganz nebenbei wurden die angrenzenden ehemaligen „Wohnungsbrennpunkte“ Bruckwasen und Brückenstraße entschärft. 

Mit voller Überzeugung haben Sie ganz besonders das neue Modell „Gemeinsam Wohnen“ an der Brückenstraße mit dem dort entstanden Neubau für die von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen befördert und mitgetragen.

 „Alte Ziegelei“ wird zum „StadtGarten“

2008  wurde das Thema „Alte Ziegelei“ im Aufsichtsrat beraten. Das anfänglich mit sehr großer Skepsis angegangene Thema haben Sie beharrlich und zielorientiert vorangetrieben und so stets Signale der Zuversicht ausgestrahlt, die letztlich im Aufsichtsrat eine einmütige Überzeugung für ein solch bedeutendes innerstädtisches Vorhaben ausgelöst haben. Die attraktiven Planungen mit einem sehr anspruchsvollen Energiekonzept und dem grünen Innenraum, haben das Gebiet zum wirklichen StadtGarten werden lassen. Der AR-Beschluss für den neuen Namen wurde übrigens schon am 24. Februar 2010 gefasst, also 5 Jahre vor der Fertigstellung der Anlage.

Bronnenmayer-/Raabestraße werden zur „Neuen Südstadt“

2011  haben wir im Aufsichtsrat die Modernisierungs- und Erneuerungsmaßnahmen in der Südstadt mit rd. 140 Wohnungen eingeleitet, auch hier mit einem besonderen Energieversorgungskonzept, bestehend aus Erdwärme mit Wärmepumpen und BHKW. Diese hocheffiziente und regenerative Einrichtung sichert aktuell die Grundversorgung für die weiteren Entwicklungen in der Südstadt, wo sich die Kath. Kirchengemeinde St. Josef und die WGG zusammengefunden haben. Aktuell laufen dort die Arbeiten für 44 WE und eine Kindereinrichtung mit drei Gruppen.

Wir haben damit sehr gute Voraussetzungen für die weitere Entwicklung und Einbindung der benachbarten Hochschule in unsere Stadt geschaffen.

ApostelHof

2012 hat der Aufsichtsrat - unter Ihrem Vorsitz - den Grundsatzbeschluss gefasst, einzelne Grundstücke im Bereich Schützen-/Geislinger Straße als Ausgangsbasis zur Entwicklung eines attraktiven Innenstadtbereiches zu erwerben. Gleichzeitig wurde die Gelegenheit für eine mit der Familie Nanz abgestimmte Vorgehensweise zur Entwicklung des Apostel-Areals ergriffen. Daraus hat sich in den Jahren 2016 bis 2018 nicht nur ein innerstädtischer Wohnungsschwerpunkt mit rd. 55 WE entwickelt, sondern auch die zentrale Lebensmittelversorgung mit einem neuen großen Edeka-Markt konnte verbessert werden.

Auch für dieses Quartier existiert ein sehr ansprechendes energetisches Versorgungskonzept mit Erdwärme über die zur Baugrubensicherung ausgebrachten Bohrpfähle, BHKW, Wärmepumpe und Solarflächen. 

Sicherstellung der Innenstadtentwicklung

2006 hat der Aufsichtsrat zur Stabilisierung der Entwicklung der Innenstadt auf Ihr Drängen und Ihre Empfehlungen hin einen Grundsatz beraten und beschlossen, der der WGG mit aktiven Eingriffen in die innerstädtischen Immobiliengeschäfte ein zusätzliches Betätigungsfeld verschafft hat.  

Die ersten daraufhin erworbenen Gebäude waren das Bierhaus Maier und Eisenwaren Kempf; viele weitere bekannte Gebäude und Grundstücke, wie u.a. Rossmann, Scherfig, Haus Heilig/Musik Deininger, Feinkost Pfister, Auto Held, Buchhandlung Herwig, aber auch die Villa Gutmann, folgten.

Nicht Abbruch und Neubau waren die ersten Optionen, sondern erhaltende Modernisierungen. Auch das jüngste Sanierungsvorhaben „Villa Gutmann“ ist ein sichtbares Zeichen für den sensiblen Umgang mit der historischen Gebäudesubstanz.  

In 2018 hat die WGG in einem Tauschgeschäft das Grundstück der ehemaligen Gaststätte „Harmonie“ erworben. Damit wurde nicht nur eine, die Innenentwicklung gefährdende „Massenunterkunft“ aufgelöst, sondern eine Entwicklungschance im Interesse der Stadt gewahrt. Nach Renovierung wird die Lange Straße durch ein historisch anmutendes Traditionsgebäude an Attraktivität gewinnen.

Sie waren in einer heftig diskutierten Entscheidung die Spitze der Fürsprecher dieses Tauschgeschäftes, so dass letztlich der knappste Beschluss im AR zustande gekommen ist, an den ich mich in meiner Zeit der Zugehörigkeit zu diesem Gremium entsinnen kann. 

„Der Andechser“

Ein ganz besonderes Ereignis! Dank des persönlichen Engagements von Ihnen und Herrn Kurz haben Sie in Göppingen am Schillerplatz ein einmaliges Wirtshaus Wirklichkeit werden lassen. Nicht nur, dass Göppingen eine Erlebnisgastronomie erhalten hat. Der Andechser sorgt auch dafür, dass ein Gebäudedenkmal eine so passende und auf Langlebigkeit ausgerichtete Nutzung erfahren hat. Es hat alles gepasst! Man sieht es an der Resonanz, die das Lokal aus der Bürgerschaft erfährt. Der Andechser ist auf dem Weg zu einer festen Institution in Göppingen zu werden. 

Flüchtlingsversorgung

Die Zuwanderung von Menschen in Not hat 2015 auch die Stadt Göppingen und Sie als Oberbürgermeister vor große Herausforderungen gestellt. Auch in dieser Situation hat sich die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und WGG als äußerst vorteilhaft gezeigt. Die mit Weitsicht bereitgestellten Unterkünfte, haben letztlich dazu beigetragen, dass diese schwierige Aufgabe für alle Beteiligten in einer organisatorischen Meisterleistung sehr gut bewältigt wurde.

Energetische Ausrichtung 

Sie haben sich frühzeitig für nachhaltig energetische Konzepte eingesetzt. Dabei haben Sie innovative Ansätze in der Versorgung immer unterstützt. Auch hierzu möchte ich einige Beispiele anführen: 

  • alle Gebäude im Bürgerhölzle erhalten 2007/2008 eine Solaranlage zur Einspeisung von Wärme.
  • 2009 erhalten 88 WE im Engenlauch das erste wohnwirtschaftlich im Kreis eingesetzte BHKW. Es bringt den Fortschritt ins Haus und lässt das erste Mieterstrommodell Göppingens entstehen.
  • Die individuellen und an der technischen Entwicklung orientierten Versorgungskonzepte StadtGarten, ApostelHof, Südstadt enthalten regenerative Anteile für Wärme und Strom von über 50%.
  • Beim Familienprojekt Bodenfeld kommt neben Brennstoffzellen und Wärmepumpe erstmalig ein Stromspeicher zum Einsatz.

Weitere Beispiele für diesen Weg könnte man aufzählen, bis hin zum jüngst fertiggestellten RehaZentrum.

Grundstücksreservoir/-bevorratung

Bereits in der Vergangenheit hat die WGG eine solide Grundstücksbevorratung betrieben, dank derer sie in den letzten Jahren aus dem Stand heraus eine Mietwohnungsoffensive starten konnte. Dafür stehen einige Projekte, wie z.B. Fuchseckstraße, Brückenstraße, Vordere und Mittlere Karlstraße, Hattenhofer Straße, Waldeckstraße, Lange Straße. 

Unter Ihrer federführenden Verantwortung ist die WGG für die künftigen Herausforderungen gut aufgestellt. Die Finanz- und Vermögensstrukturen sind gut geordnet.  Für die kommenden Wohnungsversorgungsaufgaben stehen in abwechselnden Stadtquartieren Neubauflächen bereit, z.B. die mittlerweile geräumten Flächen im Geisrain und das benachbarte Bürgerhölzle. Auch im Höhenweg in Manzen stehen kurzfristig Grundstücke zur Verfügung.

 

In einer von Ihnen veranlassten Studie wurden weitere Wohnungspotenziale von wenigstens 200 WE aufgezeigt. 

Lieber Herr Till, in den gut 16 Jahren Ihres Aufsichtsrats-Vorsitzes bei der Wohnbau Göppingen hat sich viel, haben Sie sehr viel bewegt. Die Wohnbau hat in Ihrer Ära einige Millionen Euro sinnvoll zur Entwicklung dieser Stadt investiert. Die Substanz des Unternehmens ist gut und stark. Die Gesellschaft ist nach aktuellem Stand damit auch für künftige Herausforderungen gut gerüstet.

Neben all den strategisch und operativ wichtigen Vorhaben und Entscheidungen, die unter Ihrer Federführung angegangen und umgesetzt wurden, steht für mich ein wesentlicher Faktor für den Gesamterfolg dieser Jahre:

Es ist Ihnen gelungen über die Parteigrenzen hinweg und unter Einbindung der externen Gesellschaftervertreter im Aufsichtsrat eine stets sehr konstruktive, vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat zu ermöglichen. Das Gremium hat unter Ihrer Führung alle Entscheidungen immer sachlich und im Interesse der Entwicklung der Stadt Göppingen in einem hohen Konsens getroffen. In Verbindung mit einer engagierten Geschäftsführung und einer leistungswilligen Belegschaft war dies die Grundlage für die sehr erfolgreiche Arbeit der Wohnbau Göppingen in den letzten 16 Jahren.

Heute schließt sich der Kreis. Für Sie ist es die letzte Aufsichtsratssitzung der Wohnbau, die Sie geleitet haben. Beim Abschied schwingt natürlich immer auch etwas Wehmut mit. 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ich danke Ihnen im Namen der Aufsichtsräte und der Geschäftsführung sehr herzlich für alles, was Sie für die Wohnbau Göppingen geleistet haben und für die immer angenehme und gute Zusammenarbeit. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute, bleiben Sie engagiert, vor allem aber gesund.

Glück auf!

 

Göppingen, 30. November 2020

Hermann Sonnenschein